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Der Benz - die zweite Analyse

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Der gesamte Boden ist mittlerweile herausgerissen und die Kotflügel sind weggeschnitten. Sie wurden von mir vor ein paar Jahren schon einmal notdürftig mit der Nietzange geflickt. Eigentlich braucht man nur die ungefähren Abmessungen und nicht die genaue Form. Gebrauchte bekommt man im Internet zu einem Hohen Preis und es ist unklar wie gut der Zustand ist. Warum also nicht gleich alles neu und aus verzinktem Blech machen, dann ist wahrscheinlich für die nächsten Dekaden Ruhe mit Rost. Überhaupt ist die Frage, ob ein Oldtimerkennzeichen sinnvoll ist. Die ewigen Diskussion mit den TÜV-Mitarbeitern über einen erhaltungswerten Zustand nerven. Die Prüfer bewegen sich in anderen Sphären und unsere Bahnen werden sich allerhöchstens nur kurzzeitig schneiden - nämlich beim TÜV-Termin. Wenn man in den Zulassungsrichtlinien für das Oldtimerkennzeichen liest "Zustand besser als das Original" fragt man sich nach der Sinnhaftigkeit. Ich habe nicht vor mir auf verzinnte Schweissnähte einen runter zu holen und mir dabei in verchromten Radzierblenden zuzuschauen, ich will mit der Kiste fahren!

Die Recherchen bei der Mercedes-Benz AG sind fruchtbar. Antwort habe ich keine erwartet, weil das Anfrageportal nur für Werkstätten gedacht ist. Das Anfrageformular ist schnell ausgefüllt und, entgegen meiner Erwartungen, kontaktiert mich sehr schnell ein Ersatzteilprofi der Mercedes-Benz AG. Nach kurzem hin und her wegen fehlender Angaben zu Fahrgestellnummer und Aufbaunummer kommt dann die ernüchternde Nachricht: es gibt keine Rahmenprofile mehr als Ersatzteile. Aber man kann noch die Knotenbleche kaufen, allerdings zu einem hohen Preis. "Hut ab, Mercedes-Benz!" für diesen Servive. Man könnte die benötigten Rahmenstücke von einer Metallbazfirma biegen lassen oder ein gebrauchtes Rahmenstück einschweissen.

Gebrauchte Rahmenstücke kann man beim BasisCampBerlin kaufen, wenn man denn bedient wird. Die Berliner sind nicht gerade schnell was eine Antwort betrifft. Ich messe die von mir benötigten Rahmenteile aus, mache Fotos vom Hilfsrahmen dazu und schicke alle Informationen per eMail zurück an das BasisCampBerlin. Eine Rückantwort kommt nie.

Bei Bustechnik.de sieht es besser aus. Ich fahre hin und nach einem Plausch mit den Mitarbeitern wird klar: für den Hilfsrahmen werden einfach verzinkte Vierkantrohre der Dimension 40x60x2mm verwendet. Ich kaufe noch ein paar verzinkte Seitenbleche für die untere Außenhaut des Busses und ein paar äußere Rahmenteile, die hinter dem fauligem Außenblech liegen. Die sind wahrscheinlich auch durch und kosten nicht die Welt. Es sind verzinkte Nachbauprofile in der richtigen Form. Im folgenden Bild ist dieser Außenträger zu sehen. Auf diesem liegen die Querträger des Hilfsrahmens und letztlich auch der Holzboden.

Mit dieser Information wage ich mich den ersten Querträger durchzuflexen. Alle Träger, die sich um das Knotenblech vor dem rechten Hinterrad befinden, werden durchtrennt. Die Schraube, die das Knotenblech und damit den Querträger bzw. den sogenannten Hilfsrahmen an der "Schwalbe" des Hauptrahmens befestigt, ist nicht mehr zu erkennen, geschweige denn zu drehen. Mit einer Trennscheibe kommt man nicht an sie heran. Also mit der Schrubbscheibe von oben her minutenlang heruntergeschrubbt bis der Rest nach unten durchfällt. Das erste Knotenblech ist weg! Im folgenden Bild sieht man: der Hauptrahmen ist nur leicht angerostet und die Schwalbe ist in Ordnung. Das gibt Hoffnung.

Das Knotenblech auf der linken Seite muß noch entfernt werden, aber auf dem Bild erkennt man deutlich den Verrottungsgrad. Die neuen Querträger liegen schon bereit. 3 der oben spezifizierten Träger mit je zwei Metern Länge für fünfundfünfzig Euro frei Haus ist ein guter Preis.

Ich nehme die neu gekauften Seitenbleche für die Außhaut des Busses, markiere deren Höhe auf der Außenseite und greife zur Flex. Markante Punkte der Karosserie lasse ich erst mal stehen, komme aber so an den äußeren Teil des Hilfsrahmens. Dieser ist vor dem Hinterrad noch ganz in Ordnung muß aber hinter dem Hinterrad erneuert werden. Gut, dass ich schon ein paar Stücke als Muster gekauft habe.

Ich schneide mir ein paar Bleche, um die ersten Löcher zuzuschweißen. Das mache ich nicht nur, um die Motivation zu steigern, sondern auch um ein paar Rostschutzanstriche vergleichen und ausprobieren zu können. Schließlich wird die Karosse noch einige Zeit halbfertig im Regen stehen. Die Arbeiten gehen nun ein bisschen schneller voran und kurzzeitig kommt das Gefühl auf morgen fertig zu sein. Der gesamte untere Blechstreifen, verzinkt und für rechts und links kostet gerade mal 400 Euro. Bei diesem Preis macht es keinen Sinn hier alle Löcher einzeln mit der Flex herauszutrennen und wieder zuzuschweißen. Dazu hätte vorher noch jede Menge Unterbodenschutz mühselig mit dem Spachtel abgekratzt werden müssen. Abflexen geht da schon schneller!

Den Rest der Außseite ist schon mal von Kederschienen, druckknopfartigen Verschlüssen, Durchführungen und sonstigen Abdeckungen befreit. Ein Blick auf die Blattfedern der Hinterachse zeigt, dass ich wohl besser neue federn eingebaut werden. Die gibt es noch! Aber immer mit der Ruhe - eins nch dem anderen! Man sollte nicht zu schnell urteilen um nicht unnötig viel Geld in den Sand zu setzen, falls doch noch unkalkulierbare Problem auftauchen.


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